{ ÜBER PEDA-DESHI }
Konnichi wa!
Ich möchte an dieser Stelle gerne vorstellen. Ich heiße Peter Lauritis und wohne in Stadtallendorf.
Ich bin im Oktober 1982 geboren und habe von Kleinauf viele Sportarten ausgeübt, zu denen auch Tennis, Tischtennis, Schwimmen, usw. gehörte. Jeder Sport, den ich ausgeübt hatte war mir nach langer Zeit zu langweilig geworden, was zur Folge hatte, das ich den nächsten Verein und somit auch eine andere für mich interessante Sportart suchte. Ich spielte nach vielen getesteten Sportarten nur noch Tennis. Es war der einzigste Sport, bei dem ich einigermaßen erfolgreich war. Wir wurden mit der Mannschaft Kreismeister und stiegen auf. Doch viele unserer Spieler verließen den Verein, weil er wirklich schlecht war, und die Jugend nicht ausreichend gefördert wurde. 1994 mit 11 Jahren - ich erinnere mich noch sehr gut - war ich bei meiner Mutter, die mit einer sehr guten Freundin telefonierte. Die Freundin sagte nach einem langen Telefongespräch, dass Sie Ihre Tochter ins Karate-Training bringen müsste, und nicht länger telefonieren kann. Meine Mutter fragte Ihre Freundin kurz über das Karate aus.
Nach einigen Fragen an Ihre Freundin fragte mich meine Mutter: "Willst du mal beim Karate-Training zuschauen?" Und ich sagte einfach "Ja". Meine Mutter legte nach einigen Abschiedsworten auf und fuhr mit mir zum Dojo. Es waren viele Kinder in meinem Alter und Jüngere vor der verschlossenen Tür. Der Meister kam etwas verspätet, er musste zu dieser Zeit zusätzlich Arbeiten, und konnte die Karate-Schule nur nebenbei betreiben. Er begrüßte meine Mutter, und Sie stellte sich und mich vor. Er meinte, dass ich erst einmal beim Training zuschauen und dann entscheiden sollte, ob ich beim Training mitmachen wolle. Dies tat ich.
Ich bin nicht mit der direkten Absicht ins Dojo gekommen, um Karate zu lernen, da ich ja erstmals nur zuschauen wollte und selber noch gar keine Ahnung hatte, wie es im Karate-Training vor sich geht ... es war ja eigentlich nur Zufall, das meine Mutter mit Ihrer Freundin darüber geredet hatte. Ich wusste noch nicht, dass dieser Zufall mein ganzes Leben verändern würde.
Dann kam der Tag, an dem ich das erste mal schüchtern und alleine ins Dojo kam und mittrainierte. Anfangs trainierte ich mit meinem blauen Jogging-Anzug. Nach 2 Wochen hatte meine Mutter mir eine gebrauchte Karatejacke von meinem Meister gekauft, die Hose hatte gefehlt. Ich merkte, dass über mich geredet und gekichert wurde, weil ich nur eine Karate Jacke hatte, und meine blaue Jogging Hose dazu trug. Ich war den Blicken und Grinsen der anderen ausgeliefert und wurde ständig rot, weil ich mich ein wenig schämte. Es sah anscheinend lustig aus, da ich keinen kompletten Anzug hatte. Hmm, oder es war meine blonde Igelfrisur.... keine Ahnung. Recht langsam gliederte ich mich in die Gruppe ein, welche 4 Wochen nach meinem Trainingsbeginn ihre weiß-gelb Prüfung hatten.
Ich war der Einzigste mit dem weißen Gürtel...
Ich war also 2 mal die Woche im Training und habe einfach alle Techniken so mitgemacht, wie ich es gesagt bekommen hatte. Als ich mich gut in die Gruppe eingegliedert hatte und schon 2-3 Monate vergingen, wurde ich auch schon von meinem Meister gefragt, ob ich nicht auch bei den größeren Trainieren möchte.... ich dachte mir nichts dabei und sagte: "Ja" und kam zu den größeren "weiß-gelb, weiß-rot und weiß-grün Gurten".
Ich habe einfach nur "mitgemacht", mir alles sagen lassen, und mich nicht dagegen gewehrt. Im laufe der Zeit, habe ich schon ein paar Prüfungen mitgemacht, viel geweint, geschwitzt, geblutet, blaue Flecken gehabt, mir was geprellt, usw. weil ich von anderen oft auf die "Mütze" bekommen habe (ich war körperlich einer der Schwächeren).
Ich hatte oft den Gedanken gehabt, mit dem Karate aufzuhören, weil mir andere weh getan hatten. Ich kann mich noch dran erinnern, wie ich von meiner Mutter eines abends abgeholt wurde, und ich wie ein richtig kleines Kind geweint hatte und nichts mehr vom Karate wissen wollte. Der Gedanke aufzuhören war nicht ausgeschlossen... doch das Durchhalten hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Das ständige arbeiten an mir selbst, und die Motivation und der Antrieb meines Meisters haben auch einen sehr großen Teil dazu beigetragen.
Manche Leute kommen nur um Spaß zu haben, manche weil der Freund oder die Freundin auch Karate lernen, manche wollen was neues ausprobieren. Bei mir war es nach ungefähr 2 1/2 Jahren ganz anders. Karate hatte für mich schon zu dieser Zeit eine große Bedeutung. Man hat in jungen Jahren viele Vorbilder, und bei mir war es mein Meister. Mittlerweile habe ich eine sehr gute Beziehung zu ihm. Am Anfang war es eine sehr gute Freundschaft bzw. Meister - Schülerbeziehung, doch heute kommt es mir so vor, als wäre er mein Vater. Ich hoffe, dass es auch dabei bleibt und er mir auch bei Fehlern meinerseits beisteht,... eben wie ein Vater.
Um so zu sein wie er, beschloss ich mit dem Tennisspielen (nach 7 Jahren) aufzuhören, und mich nur noch aufs Karate zu konzentrieren. Ich habe zur gleichen Zeit angefangen, einen weiteren Kurs zu belegen, also 4 - 5 mal die Woche ins Training zu gehen. Zu meiner Schulzeit sah mein Training ab dem weiß-blauen Gürtel so aus, dass ich ab und zu 6 Stunden pro Tag trainiert hatte. Nach der Schule ab 15 Uhr für mich selbst, und ab 16.30 Uhr bis um 21 Uhr in 3 Kursen.
Ich meldete mich zu diesem Zeitpunkt zur nächsten Prüfung an, und übersprang den weiß-braunen Gürtel zum Grüngurt. Nach der Prüfung hatte mein Meister die Fortgeschrittenen an einem Samstag ins Dojo bestellt, und uns über den weiteren Ablauf unseres "Weges" aufgeklärt. Wir sollten uns die Karate-Kinder-Kurse teilen. Wir sollten uns absprechen, das jeder in gleichmäßigem Abstand einen Karatekurs leitet. Dies sei notwendig um nach 2 Jahren durchgehendem Leiten eines Kinderkurses die Prüfung zum Schwarzen Gürtel zu absolvieren. Unser Meister wollte in den 2 Jahren sehen, ob wir in der Lage sind, selbstständig einen Kurs zu leiten und auszubilden.
Schnell merkte ich, das meine Mitschüler nicht so den drang am "Training-Leiten" hatten. Und da bei mir genau das Gegenteil der Fall war, versuchte ich den Kinderkurs immer zu machen. Dies hatte auch sehr schnell funktioniert. Ich leitete 2 mal die Woche einen Kinderkurs mit dem 3. Kyu unter Anweisung und Aufsicht meines Meisters. Natürlich ist die Qualität meiner Leitung und Ausbildung nur ein klitze kleiner 100.000.000 stel Bruchteil von der Qualität meines Meisters gewesen, aber ich bin ja selber noch in der Ausbildung... :-)
In diesen 2 Jahren hatte ich meine Prüfung zum 2. Kyu und die Prüfung zum 1. Kyu bestanden. Mit der Prüfung zum 1.Kyu bekam ich von meinem Meister auch ein Diplom zum "Sempai" (der Ältere). Ich war der "Ältere" unserer Schule. D.h. nicht, das ich 80 Jahre alt wurde,... sondern von der Erfahrung her gesehen in der Oberstufe mit am fortgeschrittensten war.
Karate war für mich ab dem 3. Kyu schon lange kein Sport mehr. Für mich war es schon ein kleiner Teil in meinem Leben, den ich nicht einfach zur Seite legen werde, wie z.B. meine Tenniszeit. Mir war es ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr wichtig, bei einer Prüfung mitzumachen, um angesehener zu sein, wegen der hohen Graduierung, dies hat sich so ergeben. Als Weißgurt habe ich mit den anderen Kindern oft gerechnet, wie viel Jahre wir noch brauchen würden, um den schwarzen Gürtel zu bekommen, doch das kann man nicht ausrechnen. Die Vergabe einer höheren Graduierung hängt ganz allein von der Leistung und dem Charakter ab. Ich habe gelernt, dass das was unter diesem Gürtel steckt, viel viel wichtiger ist. Wenn ich die Mütze eines Kapitäns trage, heißt es noch lange nicht, dass ich sein Schiff steuern kann; so ist es im Karate auch. Wenn sich jemand einfach einen Schwarzen Gürtel anzieht, ist er noch lange kein Meister.
Ich ging weiter regelmäßig ins Training. Trotz dem Beginn einer Lehre als Industriekaufmann, was für mich 8 Stunden Arbeit am Tag bedeutete, und das Zusammensein mit meiner zu dieser Zeit über alles geliebten Freundin Katharina, habe ich weitmöglichst versucht, das Training nicht zu vernachlässigen, auch wenn es mir nicht immer gelungen war.
Am 4.1.01 fuhr ich mit meinem Meister und 2 Mitschülern in die Nähe von München. Dort fand meine Schwarzgurt-Prüfung statt. Nach der Prüfung und einigen Lehrstunden in unserem Dojo, kam meine Schwarzgurtverleihung, welche einer der schönsten und bedeutendsten Momente in meinem Leben war.
In meiner Karate-Schule traf ich auch meine Freundin Katharina, mit der ich eine sehr sehr schöne Zeit hatte. Doch durch einen Fehler meinerseits ist alles in die Brüche gegangen, und es begann eine schreckliche Zeit für mich. Die Konzentration im Training lies stark nach, weil Sie immer in meiner Nähe war (sie trainiert im selben Kurs wie ich) und Sie mir nicht aus dem Kopf ging. Meine Leistungen haben in dieser Zeit sehr nachgelassen, und ich merke, dass heute immer noch Spuren dieser fehlenden Konzentration in mir sind. Es ist schade, das Sie noch einen so großen Einfluss auf mich hat, aber was will ich machen?
Nach meiner Schwarzgurtverleihung bekam ich auch einen neuen Kurs, den ein anderer Meister vor mir hatte. Er hat jetzt in 35274 Kirchhain seine eigene Karate-Schule eröffnet. Diesen Kurs habe ich ca. 2 Jahre geleitet; er wurde aber wegen zu geringer Schülerzahl mit einem anderen Kurs zusammengelegt, sodass ich den Kurs nur vertrat, wenn mein Meister krank war oder wichtige Termine hatte.
Am 7.1.02 war ich im freien Training. Anfangs hatte ich ein bisschen Gymnastik gemacht, und mich mit meinem Schüler unterhalten, der zur gleichen Zeit trainierte. Ich wollte nach ca. einer Stunde mit ihm das Training beenden, und dann kam mein Meister zu mir und sagte: "Wartet doch nochmal 10 Minuten". Ich hörte auf seine Worte und ging ins Dojo. Der Ju Jutsu Kurs began. Mein Meister schlug den Gong, wir grüßten ab, und dann nahm er aus einer Klarsichtfolie eine Urkunde zum 2. DAN und überreichte Sie mir. Ich bedankte mich mit einer tiefen Verbeugung. Dann sagte er noch ein paar Worte zu den anderen Schülern über den 2. DAN und lies mich das Dojo verlassen. Als ich vor der Tür war, liefen erst mal ein paar Freuden-Tränen.
Am 09.08.03 schrieb mir mein Meister eine Kurzmitteilung, ob ich denn vor seinem 2 wöchigen Urlaub (am 10.08.03) nochmal ins Dojo kommen würde. Ich schrieb ihm, dass ich natürlich nochmal kommen würde, da ich mich ja vor seiner Abreise noch einmal bei ihm verabschieden wollte. Ich kam ins Dojo. Mein Meister drückte mir nach kurzer Unterhaltung seinen Karate-Anzug in die Hand. Ich fragte, ob er heute trainieren wolle und erzählte ihm auch gleich von meinem kleinen Unfall im Freibad. Ich sagte noch, dass ich es für keine gute Idee hielte, mit meinem "verletzten" Ohr zu trainieren, aber er sagte, dass wir heute nicht viel machen würden. Ich sagte nichts mehr und zog mich schnell um. Dann ging ich ins Dojo und unterhielt mich mit Sensei Bernd (4. DAN). Dann kam unser Meister mit einem weißen Anzug ins Dojo und schlug den Gong. Ich ahnte schon, dass der Bernd heute seinen 5. DAN verliehen bekommt, da mir mein Meister vor unserem Trainingslager schon erzählte, dass der Bernd jetzt bereit für diese Graduierung wäre. Was nun total überraschend war, dass mein Meister zu mir kam, und mir den 3. DAN überreichte, und daraufhin dem Bernd den 5. DAN. Wir beide konnten unsere Tränen nicht mehr stoppen! Nach der Zeremonie umarmten wir unseren Meister, nahmen die Glückwünsche entgegen und waren mehr als überglücklich!!!!
Seit 2005 ging es etwas bergab bei mir. Ich begann eine neue Ausbildung zum Erzieher. Während dieser Ausbildung übte ich zusätzlich eine selbständige Nebentätigkeit aus, die sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Ich fokussierte meine Zeit überwiegend auf die Arbeit, um die finanziellen Verhältnisse zu verbessern, wodurch das Karatetraining in den Hintergrund rückte. Ich ging jeden Tag in die Schule und arbeitete noch bis in die späte Nacht.
Im Jahr 2007 spürte ich die Folgen meiner Überarbeitung und wollte meinen Arbeitsalltag umstrukturieren und wieder regelmäßig ins Training gehen. Dies hatten für den Anfang auch ganz gut geklappt, bis ich mir im Juli 2007 nach einem missglückten Rückwärtssalto das Jochbein zertrümmerte - 1 1/2 Wochen Krankenhaus.
Ich ging nach dem Krankenhaus wieder ins Training, spürte aber 3 Monate später ein Ziehen im Rücken. Das Training fiel mir immer schwerer, die Schmerzen wurden immer stärker und die Diagnose meines Arztes war: Bandscheibenvorfall. Mein sportliches Leben schien sich um 180 Grad zu drehen. 1 Jahr lang quälte ich mich mit den teils erträglichen, teils unerträglichen Schmerzen rum. Manuelle Therapien und eine intensive Schonung war bis heute noch nicht die optimale Problemlösung um wieder in das Training einzusteigen.
Das Training gestaltet sich momentan so, dass ich 1-2 mal die Woche leichtes Training machen kann. Sobald ich allerdings mit Würfen oder dergleichen anfange, bin ich wieder für 4 Wochen außer Gefecht gesetzt...
Wie bin ich jetzt an "peda deshi" gekommen?
Ganz einfach. Mein Meister hatte vor einiger Zeit ein Buch, aus dem er ein wenig Japanisch lernte. Wir saßen zusammen im "Mc Inn" (so ähnlich wie McDonalds) und unterhielten uns über alles mögliche. Dann kamen wir auf das Buch zu sprechen, in welchem er geblättert hatte. Ich wollte dann wissen, was Peter auf japanisch heißt.
Peda heißt also nichts anderes wie Peter.
Deshi heißt wörtl. übersetzt Schüler, ist aber in den Kampfkünsten nicht gleichzustellen mit z. B. einem Schüler in der Schule.
Der Meister bezeichnet nur diejenigen als Schüler, in denen er das Potential zum Weg erkennt. Nur wenn das der Fall ist, lässt sich der Meister auf eine wegorientierte Meister-Schüler Beziehung ein. Bis dahin vergehen meist Jahre. Ob der Meister den übenden als Weg-Schüler annimmt, hängt nicht von seinem Talent ab, sondern von seinen inneren Fähigkeiten. Meist gibt es dafür eine lange Testzeit, ausschließlich in der Formübung, in der sich der Übende als Mensch bewähren und zum Wegschüler entwickeln kann.